windowsGet The real Factslinux

Get The FactsMicrosoft betreibt seit einiger Zeit eine Kampagne gegen Open Source Software namens "Get the Facts", bei der sie u.A. die Behauptung aufstellen, die Kosten der Benutzung von Windows sei langfristig günstiger als die Benutzung von Linux, Windows sei sicherer als Linux etc. diese Kampagne beruft sich auf Studien, die MS selbst durchgeführt bzw finanziert hat!
Zu dieser Kampagne und zu einigen Mythen, die Open Source Software umgeben, will ich hier jetzt mal einige Dinge richtig stellen (wobei ich aber auch Nachteile von Linux nicht verschweigen will)

BerylVorweg: Es gibt von Linux sogenannte LiveCDs, damit kann man es ausprobieren, ohne irgendwas an seinem System zu verändern (also man kann es ohne jegliches Risiko ausprobieren) zwei Distributionen, die ich für Einsteiger empfehlen kann, sind Mandriva One, Kubuntu und PCLinuxOS.
Linux erst mal in Aktion sehen, ohne gleich ein 700MB CD-Image runterzuladen und einen Rohling zu verbrauchen? hier
Wobei die 3D Effekte ohne Grafikkartentreiber vom Hersteller in aller Regel nicht funktionieren - dazu muss man es dann doch installieren.


Inhalt

Mythos: Bei Linux muss man alles in der Shell machen
Mythos: Open Source Software wird von ungepflegten Jugendlichen und Studenten in dunklen Kellern entwickelt
Mythos: Linux Kernel, Treiber & Software muss man selbst kompilieren, Software Installation ist ein Albtraum
Mythos: Für Linux gibt es keinen Support
Mythos: Weniger als 5% aller PCs laufen mit Linux, über 80% mit Windows
Mythos: 0.7% aller Desktop PCs laufen mit Linux, 93,5% mit Windows
Mythos: Windows muss besser sein, sonst wäre es nicht so verbreitet
Mythos: Linux ist nur sicherer, weil es weniger verbreitet ist
Mythos: Für Linux gibt es keine Spiele
Mythos: Unter Linux gibt es kein Multimedia
Mythos: Für Linux gibt es keine guten Bildbearbeitungsprogramme

Zu Microsofts Behauptungen
Tatsächliche Schwächen
Fazit


Mythos: Bei Linux muss man alles in der Shell machen
ShellDas ist heute nicht mehr nötig, alles ist über GUIs konfigurierbar und einige Distributionen installieren schon gar keine Shell mehr ins Software Menü. Trotzdem benutzen viele Linux User gerne die Shell. Das liegt daran, dass die Linux Shell im Gegensatz zur Eingabeaufforderung bei Windows ein sehr mächtiges Werkzeug ist, es ist praktisch eine Programmiersprache. Man KANN praktisch alle administrativen Aufgaben damit erledigen und da sie durch Scripte sehr gut automatisierbar ist, kann man fast alles schneller damit erledigen, als über grafische Interfaces. Zum Beispiel kann ich von einem Webserver die Bilder 1.jpg bis 100.jpg folgendermaßen runterladen:
for((i=1;i<=100;i++)); do wget http://www.irgendeinwebserver.de/$i.jpg; done
wie lange würdet ihr dafür im Webbrowser benötigen?
Anderes Beispiel: meine komplette Homepage administriere ich über Shellscripts.
Also: wir benutzen die Shell nicht, weil wir keine andere Wahl hätten, sondern weil sie so eine gute Wahl IST.


Mythos: Open Source Software wird von ungepflegten Jugendlichen und Studenten in dunklen Kellern entwickelt

Alan Cox, einer der ersten Kernel EntwicklerRichard Stallman, Gründer der Free Software Foundation (FSF)Jonathan Schwartz, CEO von Sun MicrosystemsLinus Torvalds, Entwickler des Linux KernelsLange Jahre war Open Source Software vorwiegend im akademischen Umfeld verbreitet und einige prominente Open Source Entwickler, wie Richard Stallman und Alan Cox, entsprechen wirklich dem Klischee, aber heute entdecken immer mehr internationale multimilliarden Dollar Unternehmen die Vorteile von Kooperation (Günstige Software zur Benutzung, geringe Entwicklungskosten durch Adaption ausgereifter Quellcodes, die häufig nicht unter der GPL, sondern LGPL lizenziert sind, also zu - für Firmen - akzeptablen Bedingungen). Heute sind im Open Source Sektor Milliardenbeträge im Spiel und großen Firmen (z.B. Hewlett Packard, IBM, Sun Microsystems, Google, Intel) sind an der Entwicklung von Open Source Software beteiligt. Aber wenn wir schon bei unsachlichen Beleidigungen der Frontmänner sind, dann könnt Ihr euch mal diese fünf Videos ansehen 1 2 3 4 5 um zu erfahren, warum Steve Ballmer, der Chef von Microsoft, auch den Spitznamen "Monkeyboy" trägt.


Mythos: Linux Kernel, Treiber & Software muss man selbst kompilieren, Software Installation ist ein Albtraum
PaketverwaltungIch benutze Linux seit ~4 Jahren und habe bisher gar nichts selbst kompiliert. Heute setzen die meisten Distributionen auf sehr einfache Installation über ein einheitliches Interface - man gibt einfach nur eine Kategorie ein (z.B. "FTP Client") oder wählt aus den vorgegebenen, hierarchisch geordneten kategorien und bekommt eine Liste verfügbarer Software, aus der man nurnoch auswählen und auf "installieren" klicken muss. Ausserdem updatet Linux die Programme und Treiber selbstständig.

Ich sage es ist umgekehrt: die Software Verwaltung unter Windows ist ein Albtraum! Will man unter Windows ein Programm für einen bestimmten Anwendungszweck installieren, muss man erst mal nach der Kategorie googeln, sich durch (je nach Suchbegriff) hunderte unpassende Ergebnisse wühlen. Findet man einige Programme, dann riskiert man, beim Download auf Phishing reinzufallen und sich statt einem passenden Programm einen Virus, Trojaner oder BotNetz zu installieren - oft kriegt man dabei nur Testversionen kostenpflichtiger Software - dann kann man blechen oder einen Crack suchen und wieder riskieren, einen Virus, Trojaner oder Botnetz zu erwischen... oder ein anderes Programm suchen... Und als wäre das nicht schon schlimm genug, darf man alle paar Monate Updates für seine installierten Programme und Treiber sammeln und installieren. Als ich noch Windows benutzt habe, habe ich (als jemand, der seinen PC für sehr viele Anwendungszwecke benutzt) alle paar Monate ein ganzes Wochenende dafür benötigt, neue Versionen für meine Treiber und Programme zu sammeln und zu installieren. Auf meinen Linux Rechnern habe ich Updates in Minuten nachdem sie veröffentlicht wurden und ich muss dazu nur ein paar mal klicken.

Vista StartmenüAusserdem sind unter Linux die Pendants zum Startmenü sehr aufgeräumt, jedes Programm fügt sich in eine von wenigen Kategorieen (Büroprogramme, Internet, Multimedia,...) ein - im Gegensatz dazu ist das Startmenü bei Windows ein heilloses Chaos - die Programme sind nach Hersteller unterteilt und die Hersteller sind nach Datum der ersten Installation eines Produkts dieses Herstellers "sortiert"... Ich kenne einige Menschen, die im Startmenü minutenlang nach ihren Programmen suchen (ich selbst habe das Startmenü immer manuell reorganisiert, mit den gleichen Kategorien, wie Linux es tut, und habe es immer gehasst, ständig dem Chaos hinterherzuräumen)

Ein Problem hat man bei Linux nur, wenn man Software installieren will, die sich nicht in einer der Paketquellen befindet (was sehr selten der Fall ist)... Das Problem ist hier, dass Linux so viel flexibler als Windows ist - ein Installer kann nicht davon ausgehen, dass ein Zielsystem irgendwelche benötigten Bibliotheken hat, wie es bei den einheitlichen Windows Installationen ist. Die Distributionen versuchen zwar, sich auf einen einheitlichen Standard von installierten Bibliotheken und Quellcodes zu einigen (die Linux Standard Base) aber in der Realität ist das halt noch ein Problem und kann wirklich zum Albtraum werden - aber wie gesagt gibt es für fast alle Anwendungen passende Pakete in den Paketquellen, daher kommt Otto Normalbürger nie in diese Situation.


Mythos: Für Linux gibt es keinen Support
"RTFM", die Kurzform von "Read The Fucking Manual" oder auch "Read The Fine Manual" wird Linux immer wieder vorgehalten - ja, die Antwort kann man kriegen, wenn man dem Entwickler eines Programms oder in einem Forum eine Frage stellt, die im Handbuch oder der "Manpage" schon beantwortet wird.
Wahlweise gibt es auch die Antwort "Just Fucking Google It", wenn man die Antwort mit einem offensichtlichen Suchbegriff gleich bei Google findet...
Um fair zu bleiben vergleichen wir mal mit gleichen Maßstäben: stellt mal Supportanfragen bei Anbietern proprietärer Software, ohne ihnen etwas zu bezahlen, ohne für deren Software bezahlt zu haben und ohne durchscheinen zu lassen, dass man die Software demnächst kaufen will - dann kriegt ihr GARKEINE Antwort - nichtmal ein "RTFM", was euch wenigstens sagen würde, dass die Antwort im Handbuch steht...

Normal beantworten die OpenSource Entwickler und Foren vernünftige Fragen ("ich hab in der manpage punkt y nicht verstanden", "die anleitung z funktioniert nicht", "ich habe folgende fehlermeldung...", "in der logdatei steht...") auch vernünftig - also wenn man vorher versucht hat, sein Problem selbst zu lösen - ansonsten ist es ja wohl auch verständlich, dass die Programmierer und Foren, die für solche unnötigen Supportanfragen nichtmal bezahlt werden, irgendwann genervt reagieren... Sie sind hilfsbereit, aber lassen sich auch nicht als persönliche Lakaien missbrauchen (nach dem motto "ich will xyz, habe aber keine lust zu googeln, handbücher zu lesen etc. - los, macht ihr das für mich!")
Ganz anders sieht die Sache aber aus, wenn man eine komerzielle Distribution einsetzt und beim Distributor anruft, den man für den Support bezahlt. Da kann man jede noch so blöde Frage zum tausendsten mal stellen und wird geduldig und freundlich behandelt.

Also: Verbindlichen Support gibt es auch für Linux - und zwar gegen Geld - genau wie der Support für Windows Geld kostet. Und wenn man mal die Preise für den Support vergleicht (ich nehme zum Vergleich mal die Linux Distribution Mandriva)
Windows VistaMandriva Linux Powerpack
Kaufpreis: 217€ aufwärts, enthaltener Support: 90 TageKaufpreis: 49€ aufwärts, enthaltener Support: 90 Tage
Weitere Supportanfragen: 85,68€ pro ProblemWeitere Supportanfragen: 50€
Windows Server Enterprise 2003Mandriva Linux 2008 Corporate server 4
Kaufpreis: 4.819€, enthaltener Support 90 TageKaufpreis: 279€, enthaltener Support 365 Tage
Weitere Supportanfragen: 85,68€ pro ProblemWeitere Supportanfragen: 50€
SchulungenSchulungen
Windows Vista: 1.250€ für 1 Teilnehmer (bei MS Certified Partner)Linux: 960€ für 10 Teilnehmer
Word, Excel, Powerpoint, Access: zusammen 1.650€ für 1 TeilnehmerOpenOffice: 295€ für 5 Teilnehmer
dann sieht man, dass der Support für Linux sogar sehr viel günstiger ist.

Ausserdem gibt es auch zahlreiche Webseiten (z.B. MandrivaUser.de oder UbuntuUsers.de), die Einsteiger-Anleitungen und Antworten auf häufig gestellte Fragen kostenlos anbieten - und die sehen nicht so aus, wie Help-Boards für Windows, wo es für fast jedes Problem nur die Patent-Methode "Starte das Programm neu, Starte Windows neu, aktualisiere deine Treiber, installiere das Programm neu, installiere Windows neu, kauf neue Hardware" gibt. Es gibt sogar Video-Workshops (allerdings normalerweise in Englisch) die einem Unternehmen zehntausende Euro an Schulungskosten sparen können!


Mythos: Weniger als 5% aller PCs laufen mit Linux, über 80% mit Windows

Was alle machen, ist richtig? Aber davon mal abgesehen: über die Verbreitung von Betriebssytemen gibt es keine zuverlässigen Statistiken. Die existierenden Statistiken zählen die verkauften Datenträger - die kostenlos heruntergeladenen Distributionen gehen in die Statistiken gar nicht ein und auch verkaufte Linux Datenträger werden häufig auf vielen Computern installiert (z.B. auf allen Rechnern eines Firmennetzwerks oder Rechnerpools in Unis)

Abgesehen davon verdoppelt sich die Anzahl der neu verkauften Linux Datenträger seit 2001 jährlich (das ist exponentielles Wachstum). Wenn das so weiter geht, ist Linux bald auf Heimcomputern offiziell verbreiteter, als Windows.


Mythos: 0,7% aller Desktop PCs laufen mit Linux, 93,5% mit Windows

Diese Zahlen stammen von http://marketshare.hitslink.com und finden sich u.A. auch mehrmals bei Wikipedia. Diese Statistik basiert auf der Zählung über die Browser ID auf einigen Webseiten, die die Hitslink Software benutzen. Das ist vielleicht im Ansatz eine bessere Idee als die Anzahl der verkauften Datenträger zu zählen, ABER:
  • Durch Masquerading werden alle Rechner mit gleicher Browser ID hinter einem Router als ein einzelner Rechner gezählt
  • Linux Benutzer sind oft versiertere Anwender, die im Internet zielgerichteter agieren, also weniger Hits generieren - auch durch Pop-up-Blocker
  • Ohne Angaben, auf welchen Webseiten gezählt wird und welche Webseite wie viele Zugriffe zur Statistik beisteuert, ist die Angabe absolut wertlos. THEORETISCH könnte man die gleichen zahlen bei 33,3..% Windows, 33,3..% Mac, 33,3..% Linux erreichen, nämlich wenn 93,5% der webseiten nur von windows usern besucht werden (z.B. support.microsoft.com) und 0,7% nur von linux usern (support.ubuntu.com oder sowas).
    Dieses Beispiel ist natürlich übertrieben - es bezweifelt auch niemand, dass Windows (z.Z. noch) verbreiteter als Linux ist - aber es sollte wohl jedem klar machen, dass die Frage, auf welchen Websites gezählt wird, von fundamentaler Bedeutung für die Statistik ist. Ohne diese Information sagt die Statistik einfach Nichts aus.
Wie gesagt: es gibt keine zuverlässige Statistik über die Verbreitung von Linux.


Mythos: Windows muss besser sein, sonst wäre es nicht so verbreitet
Ich kann nicht mehr zählen, wie oft ich dieses Argument schon gelesen habe - und ich kann's nicht mehr hören!
Wie ich oft sage: Ja, in einem freien Markt wäre das beste Produkt am verbreitetsten - der IT Markt ist aber nicht frei: Windows ist nicht deshalb verbreiteter, weil es besser wäre, sondern weil Microsoft die Händler besticht (mit Rabatten) und erpresst, damit sie Knebelverträge unterschreiben, die ihnen verbieten, andere Betriebssysteme zu verkaufen - und sie drohen den Händlern schwere Sanktionen an, falls sie diese Praxis publik machen. Wenn man heute einen PC mit einem anderen Betriebssystem kauft, zahlt man bei vielen Händlern extra: die Vertragsstrafe, die die Händler dafür zahlen müssen - das nennt man salopp auch "Microsoft Steuer").
Ausserdem bedient MS sich wettbewerbswidriger Methoden wie Einschüchterungs-Kampagnen, Lügen-Kampagnen 1 2, künstlich erzeugten Lock-In EffektenUnterwanderung von StandardsMonopol-Missbrauch...

Seitdem ich all das weiss, nenne ich Microsoft auch öfters "Mafiasoft".


Mythos: Linux ist nur sicherer, weil es weniger verbreitet ist
 Jedes mal wenn die Diskussion um die Sicherheit von Windows vs Linux geht, kommt jemand damit, dass Linux nur deshalb sicherer ist, weil Hacker / Viren- und Trojaner Programmierer es nicht angreifen, weil es weniger verbreitet und damit ein weniger attraktives Ziel ist. Dass auch Linux Fehler hat bestreitet niemand, zur Verbreitung habe ich ja schon gesagt, dass niemand genau weiss, wie verbreitet Linux eigentlich ist, aber das Argument mit der Verbreitung ist an sich schlichtweg falsch. Erstens ist Linux auf Servern sehr verbreitet (z.Z. 13,6% Marktanteil), zweitens hat heute fast jeder einen Router, auf dem Linux läuft, also solange man Linux nicht knacken kann, kommt man von aussen an die meisten Windows Rechner gar nicht mehr ran (wer weiss, wie viele Epedemien marke Blaster es noch gegeben hätte, wenn Windows heute nicht so weitgehend von Linux Systemen geschützt würde). Linux ist also ein SEHR attraktives Ziel für Hacker - und drittens ist Linux von Grund auf sicherer, weil es im Gegensatz zu Windows von Anfang an als Mehrbenutzer System mit Netzwerk Unterstützung ausgelegt gewesen ist.
  • Unter Windows gibt es die Dateiattribute "schreibgeschützt", "archiv" und "versteckt", unter Linux gibt es das Dateiattribut "ausführbar"... z.B. wenn man unter Windows eine E-Mail mit einem Virus erhält, der angeblich ein Word Dokument ist - man will das Dokument öffnen, macht einen Doppelklick darauf und man hat den Virus. Unter Linux erhält die Datei standardmäßig nicht das "ausführbar" Attribut, ein Doppelklick darauf bewirkt gar nichts, so lange man der Datei nicht manuell das Recht einräumt, ausgeführt zu werden. Zugegeben, NTFS hat ein solches Attribut auch, aber bei Windows gibt es bei einem Doppelklick nur eine Meldung, ob man das wirklich ausführen will - und es sollte inzwischen bekannt sein, wie die meisten Windows Benutzer auf so eine Meldung reagieren: Ja klicken ohne die Meldung zu lesen...
  • Wie oben angesprochen werden Programme über Paketquellen installiert. Man läd einfach keine Programme von irgendwelchen Webseiten runter, die irgendwelche Funktionalitäten versprechen, aber tatsächlich malware enthalten. Um jemandem einen Virus unterzuschieben muss man den Virus also in eine Paketquelle einschleusen UND dann sollte man ihn noch als ein populäres Programm tarnen, damit mehrere User es installieren, aber es gibt viele Paketquellen, dadurch erreicht man auch mit Viren, die als populäre Software getarnt sind, wenige PCs - und sobald ein User herausfindet, dass das Programm einen Virus enthält, wird es aus der Paketquelle geworfen (man wird also auch durch die Kompetenz der Anderen Benutzer geschützt - dazu braucht man die Quellcodes nicht selbst zu lesen, es reicht wenn das jemand anderes tut)
  • Da viele Linux Programme Open Source sind, sind Cracks (die oft aus dubiosen Quellen kommen und Malware enthalten) weitgehend überflüssig.
  • ActiveX ist eine ultra unsichere Plugin Schnittstelle des Internet Explorer und auch Windows Vista installiert und aktiviert diesen Mist noch standardmäßig - ok, manche Firmen bieten firmeninterne netzbasierte Programme für ihre Mitarbeiter über ActiveX an - für die paar Firmen fände ich es zumutbar, ActiveX runterzuladen und manuell nachzuinstallieren - für locker 98% aller PCs ist ActiveX nur noch eins: Eine Eingangstür für Schad-Software. Ich sage nichtmal, dass ActiveX an sich unsicher ist, aber viele der Plugins, die auf ActiveX basieren. Guckt ausserdem mal auf Porno und Crackseiten... da gibt es sehr häufig "Anleitungen", wie man die neue Porno Toolbar oder den gewünschten Crack etc. installieren kann. Diese Anleitungen sehen dann so aus: "die folgende Seite öffnen und im Dialog auf 'ActiveX Steuerelement zulassen' klicken"... Ich schätze, dass ein Großteil aller Malware auf diese Art auf die Rechner kommt
  • Die Windows Installation richtet den Hauptbenutzer Standardmäßig als Administrator ein. Damit haben alle Programme, die der Standardbenutzer ausführt, Schreib-Zugriff auf alle Systemdateien... Das ist zwar bequemer als die paar simplen Benutzer-Wechsel unter Linux, aber WEITAUS unsicherer. Unter Linux ist man meistens ohne Administratorrechte eingeloggt, damit ist ein Virus in der Lage, das Hintergrundbild zu ändern oder Browser Favoriten zu ändern oder so, aber sie können das System nicht beschädigen. Windows Vista versucht das Problem zu umgehen indem es beim Benutzer für jeden Mist nachfragt (z.B. ob er WIRKLICH Text aus der Zwischenablage in ein Formular des Webbrowsers kopieren will) bis zu dem Punkt an dem der Benutzer die Meldungen gar nicht mehr liest oder komplett deaktiviert, weil man die Meldungen nicht nur teilweise abschalten kann ("Cancel or Allow" ist inzwischen ein running Gag bei den Benutzern anderer Betriebssysteme)
  • Zusammenfassung: der eigentliche Grund, warum Linux als Ziel von Virenangriffen so unattraktiv ist:
    Wenn man einen Virus schreibt, kriegt man Zielcomputer schwer infiziert, dann kriegt man nur wenige Zielcomputer infiziert und bei denen, wo man es schafft, kann die Malware kaum Schaden anrichten - anders ausgedrückt: Wer Malware für Linux schreibt, verschwendet seine Zeit. Es gibt zwar Virenscanner für Linux, aber die suchen praktisch nur Windows Viren, um Windows PCs zu schützen (z.B. für E-Mail Server)
Ein dritter Punkt ist erst in den letzten Monaten aufgekommen: Die Anbieter von Virenscannern selbst sagen heute, dass man langfristig unter Windows den Viren, Trojanern etc. schutzlos ausgeliefert sein wird, weil einerseits inzwischen SO VIEL Malware pro Jahr für Windows geschrieben wird, dass die Antiviren-Anbieter nichtmehr damit hinterher kommen, die Signaturen anzufertigen - andererseits schreiben viele moderne Viren sich inzwischen selbst um. Wegen diesen beiden Punkten braucht man langfristig einen behavioral Blocker, welcher etwa 75-80% der Systemleistung benötigt, weil wirklich JEDE EINZELNE INSTRUKTION geprüft werden muss - und als studierter Informatiker weiss ich, dass aufgrund des Äquivalenzproblems aus der Berechenbarkeitstheorie auch behavioral Blocker keinen Schutz mehr bieten können, sobald die Malware nicht mehr nur ihre Signatur, sondern auch ihr Verhalten modifizieren (dazu sollte es reichen, zwischendurch zufällig gewählten Unsinn zu machen, wie irgendwas auf die Festplatte zu schreiben)


Mythos: Für Linux gibt es keine Spiele

Es gibt gute open source Spiele für Linux (guckt z.B. mal hier oder hier) auch in den offiziellen Paketquellen findet sich einiges, für Ego-Shooter Fans sind NexuizWarsow, OpenArena, Alien Arena und Tremulous (die auch auf Windows laufen) einen Blick wert. nexuizcounterstrike source in wine Enemy Territory: Quake WarsAuch einige komerzielle Spiele haben native Linux Binaries (vor allem id Software und Epic Games sind hier Vorreiter). Ich bin zuversichtlich, dass die zunehmende Verbreitung von Linux in Zukunft dafür sorgen wird, dass viele Spiele Hersteller auch native Linux Binaries anbieten werden. Wer auf seine Windows Spiele partout nicht verzichten kann, kann mal bei cedegawine oder crossover-games gucken (cedega und crossover-games sind kostenpflichtig) diese Programme könnte man als "Windows Emulatoren" beschreiben, obwohl das technisch gesehen falsch ist. Fast alle meine Spiele laufen in cedega (ich habe hauptsächlich Ego Shooter - die Community stimmt ab, für welche Spiele an der Kompatibilität gearbeitet werden soll und das sind halt häufig Ego Shooter und MMORPGs) die Spiele meiner Freundin (WiSims, Strategie) laufen dagegen eher nicht. Eine Übersicht darüber, welche Spiele wie gut in cedega funktionieren, gibt es hier, für crossover-games hier und für wine hier


Mythos: Unter Linux gibt es kein Multimedia
KaffeineAmarokVerschiedene Multimedia Codecs sind bei den freien Linux Distributionen aus lizenzrechtlichen Gründen nicht vorinstalliert und auch nicht in den offiziellen Paketquellen. Zum nachinstallieren fügt man "Multiverse", "penguin liberation front" o.Ä. (abhängig von der benutzten Distribution) Paketquellen hinzu, danach installiert man wie oben beschrieben die Pakete
win32-codecs, libdvdcss, flash-player-plugin
und schon hat man ein Multimedia System, das Windows in Nichts nachsteht, allerdings ist der DVD Codec "libdvdcss" juristisch bedenklich (die kostenpflichtige Version von Mandriva enthält auch den lizenzrechtlich unbedenklichen komerziellen DVD Player "intervideo linDVD"). Auch iTunes soll mit wine bzw crossover (nicht crossover-games!) unter Linux laufen - das habe ich aber nicht ausprobiert, kann es also nicht beurteilen.


Mythos: Für Linux gibt es keine guten Bildbearbeitungsprogramme
gimpOk, für Profi Designer reicht GIMP vielleicht nicht aus, aber für mich als fortgeschrittenen Laien reicht es (auch wenn ich das "Vordergrund extrahieren" von Photoshop vermisse - das gibts zwar auch bei GIMP, aber nicht so ausgereift). Bedenkt aber auch folgendes: Photoshop ist bei Windows nicht dabei, da gibts nur das armseelige MS Paint. Photoshop kostet 1.000€, GIMP ist dagegen kostenlos und so viel besser ist Photoshop auch wieder nicht. Und für diejenigen, die unmöglich auf Photoshop verzichten können: Photoshop funktioniert bestens in wine.
Davon abgesehen ist GIMP ja auch nicht das einzige Bildbearbeitungsprogramm für Linux - es gibt zB auch noch KOffice Krita, welches vom Look-and-Feel her an Photoshop angelehnt ist - da habe ich allerdings bisher nicht viel mit gemacht - insbesondere weiss ich nicht, wie vergleichbar die Auswahl an Filtern ist.


Zu Microsofts Behauptungen

klagewelleBehauptung: Linux Benutzung ist ein juristisches (und dadurch finanzielles) Risiko
Fakt: Microsoft WEIGERT sich, die Anschuldigungen zu belegen
Fakt: MS will nicht klagen (vielleicht weil sie die Anschuldigungen dann belegen müssten?)
Fakt: Der Autor der Studie, die den Anschuldigungen zugrunde liegt sagt: "MS verdreht die Tatsachen"
Fakt: Diverse Größen der IT Industrie (das Open Inventions Network) schützen Linux juristisch

Behauptung: Linux einzusetzen ist langfristig teurer als Windows
Fakt: Eine groß angelegte Studie der Europäischen Kommission sieht das anders
Anmerkung: Es gibt viele Studien, die das Gleiche aussagen, aber ich will keine Studien von Firmen anführen, weil man diesen zu leicht Befangenheit vorwerfen kann. Ich beschränke mich bzgl. Studien auf Studien von öffentlichen Einrichtungen
Fakt: Hardware läuft unter Linux doppelt so lange wie unter Windows (seltener Neukäufe nötig)
Fakt: Microsoft Software ist "Bloatware", Linux ist Schneller (d.h. unter Linux verbraucht ein PC weniger Strom)

Behauptung 1999: Linux ist keine Bedrohung
Fakt 1998: MS berät, wie sie gegen Linux bestehen können, obwohl es z.T. überlegen ist
Fakt 1999: Bill Gates betrachtet Linux als einen der größten Konkurrenten
Fakt 1999: MS gründet eine Marketingabteilung speziell für den Kampf gegen Linux
Fakt 2002: Microsoft sagt: Linux ist Konkurrent Nr. 1

patchzyklenBehauptung: Windows wird schneller gepatcht als Linux, durchschnittlich innerhalb von 24 Stunden
Fakt: MS braucht durchschnittlich 4,5 Monate zum patchen kritischer Sicherheitslücken - 25% länger als Open Source Entwickler
Fakt: Einige kritische Sicherheitslücken bleiben bei MS jahrelang ungepatcht
Fakt: Viele von Microsofts Patches bringen neue Probleme mit sich oder funktionieren erst gar nicht 1 2 3 4 5 6 7 8 9. Gerade seit Ende 2007 liest man fast jeden Monat beim "Patch-day" von Patches an Patches, Patches an Patches von Patches, nicht patchenden Patches... Microsoft macht der Bezeichnung "Patch" (= Englisch für "Flicken") alle Ehre...
Behauptung: Windows ist sicherer als Linux, insbes. Windows Vista, Internet Explorer ist sicherer als Firefox
Fakt: Das Vergleichs-Kriterium: Die MS Produkte sollen sicherer sein, weil es weniger Patches dafür gab - zwei passende Kommentare aus dem Heise Forum: Killermuecke: "Na toll, wenn man in Redmont die 12 Lücken nicht geschlossen hätte, wäre das System nach dieser Zählweise noch viel sicherer gewesen." und edwin2006: "genau, wenn ich mein Auto nicht repariere ist es auch nicht kaputt" 
Fakt: Microsoft vergleicht mit unterschiedlichen Maßstäben (z.B. zählen sie Firefox Sicherheitslücken zu Linux Schwachstellen, Internet Explorer Sicherheitslücken aber nicht zu Windows Schwachstellen und die Schwere der gepatchten Sicherheitslücken wurde nicht berücksichtigt)
Fakt: Microsofts Patches enthalten z.T. Korrekturen für mehrere Fehler, werden aber nur als ein Fehler gezählt, wogegen bei der Konkurrenz jeder Fehler gezählt wird. Ausserdem zählt Microsoft Fehler in Windows, die zu Sicherheitslücken in Firefox führen, zu Firefox Fehlern, aber nicht zu IE Fehlern, obwohl Sie dort die gleichen Probleme machen
Fakt: Die erste Linux Distribution ist seit Anfang 2005 EAL4+ zertifiziert
Fakt: Die erste Windows Version ist seit ENDE 2005 EAL4+ zertifiziert - d.h. MS läuft bei Sicherheit hinter Linux her
Fakt: Die Antiviren-Hersteller sagen, dass die Viren-Situation unter Windows sich tendenziell verschlechtert (sie kommen mit dem Erstellen der Signaturen nicht mehr hinterher) das heisst, dass man langfristig unter Windows den Viren schutzlos ausgeliefert sein wird
Fakt: 27% aller Windows Vista Installationen sind mit malware infiziert, damit ist XP unsicherer als Vista und Vista unsicherer als Windows 2000

Will nicht mitspielenBehauptung: Open Source Software hat schlechte Interoperabilität
Fakt: Eine von Microsofts Marketingstrategieen ist die vorsätzliche Zerstörung von Interoperabilität
Fakt: Eine Studie des U.S. Verteidigungsministeriums sagt, dass Open Source bessere Interoperabilität hat
Meine Erfahrung: Die meisten Open Source Programme befolgen sehr strikt die ISO Standards. Interoperabilitätsprobleme gibt es hauptsächlich mit proprietärer Software, die diese internationalen Standards verletzt, bzw. wo Firmen ihre eigenen Schnittstellen definieren und nicht dokumentieren - d.h. die Interoperabilität von Open Source Software ist erstklassig, es ist die proprietäre Software, die ein Interoperabilitätsproblem mit ISO Standards hat.

Behauptung: Windows ist zuverlässiger als Linux
Link: Eine Sammlung von 13 Studien, die das Gegenteil belegen
Meine Erfahrung: Windows XP mit SP2 ist tatsächlich weitaus stabiler und sicherer als jede vorherige Windows Version, aber auch XP+SP2 habe ich schon oft genug abstürzen sehen bei so hochkomplexen Dingen wie Zugriff auf ein Netzwerk, Drucken, zwei Programme gleichzeitig starten, ganz zu schweigen von den indiskutablen Wartezeiten (10 sek um ein aufgeräumtes Startmenü zu öffnen!?) wenn ein Programm eine große Systemauslastung hat, darf man bei Windows z.T. minutenlang warten, bis ein anderes Programm reagiert - Linux verteilt die Systemressourcen so gerecht, dass man eigentlich immer wenigstens relativ flüssig weiter arbeiten kann. Ausserdem muss Linux nicht nach jeder Installation neuer Software neu gestartet werden - sogar Patches am Kernel müssen nicht mehr unbedingt zu einem Neustart führen.


Tatsächliche Schwächen
Wie gesagt will ich hier nicht die Nachteile von Linux verschweigen
  • Umgewöhnung - ja, anfangs ist Linux selbstverständlich ungewohnt... die Laufwerke heissen nicht mehr C: und D: etc, sondern /mnt/win_c oder Ähnlich, man kennt die Programme nicht, man kennt die Konfigurationsdialoge nicht usw. Meine Erfahrung ist, dass ich mich nach ungefähr zwei Tagen zurechtgefunden habe und nach einer Woche kein Windowsprogramm mehr vermisst habe. Viele interessierte Menschen geben hier vorschnell auf - auch ich habe mehrmals nach wenigen Stunden aufgegeben... letztendlich habe ich mich gezwungen, länger "durchzuhalten", weil mir die Lizenzbestimmungen bei Microsoft zu restriktiv wurden - überhaupt habe ich MS seit WGA nicht mehr über den Weg getraut.
  • Das Hauptproblem, das man unter Linux noch hat, sind fehlende Treiber. Meine Hardware wird sehr gut unterstützt, aber ich habe doch von einigen Problemen gelesen, die andere Leute wegen fehlenden Treibern haben. Das Problem ist allerdings rückläufig, weil wie gesagt immer mehr Firmen zumindest anerkennen, dass Linux verbreitet genug ist (im Servermarkt hat Linux immerhin 13,6% Marktanteil), um eigene Treiber anzubieten (sodass die Open Source community nicht selbst Treiber entwickeln muss - ohne Spezifikationen vom Hersteller dauert diese Entwicklung häufig lange) um fair zu bleiben: Ich habe ebenfalls von vielen Problemen durch mangelnde Treiber für Windows Vista gelesen, auch wenn ich bei Google keine offiziellen Statements dazu finde.
  • Das Flash Plugin gibt es nicht für 64-Bit Prozessoren (ok, unter Windows auch nicht), das Plugin für 32bit Architekturen läuft auf manchen webseiten instabil und die Open Source Alternative gnash ist noch nicht ausgereift (allerdings scheint gnash nicht mehr lange zu brauchen)
  • Wie gesagt laufen nicht alle Spiele in cedega, crossover-games oder wine. Für mich ist das weniger ein Problem, weil fast alle meiner Spiele in Cedega funktionieren, aber das kann für einige Menschen ein ziemlicher "deal-breaker" sein... Ich kenne viele Menschen, die hauptsächlich Linux benutzen (für Internet, Office, Multimedia,...) und eine Windows Installation nur noch für Spiele bestehen lassen.
    Fairerweise muss aber auch gesagt werden, dass viele Spiele auch unter Windows Vista nicht gut laufen - unter windows XP liefen auch schon einige win9x Spiele nicht mehr, die ich in cedega wieder laufen habe - z.B. Deus Ex, mein Lieblingsspiel.
  • Wie gesagt bekommt man die meiste Software (für alle alltäglichen Dinge) über Paketquellen, aber wenn man doch mal was kompilieren muss (bei nicht-alltäglichen Dingen), geht der Spaß los - das nennt man nicht umsonst "Dependency Hell" die z.T. auch Linux Gurus das Handtuch werfen lässt
  • Ich habe es bisher nicht hinbekommen, meinen PDA von Linux aus vernünftig anzusprechen, obwohl darauf die Linux Distribution Familiar installiert ist - das Modell ist aber auch recht alt und hat einige Schnittstellen nicht, die Familiar benutzen will.


Fazit
Es wird viel über Linux verbreitet, sowohl positives, als auch negatives. Stellt euch folgende Frage: welches Interesse kann Microsoft daran haben, Lügen über Linux zu verbreiten (ein finanzielles vielleicht?) und welches Interesse könnte z.B. ich daran haben, Lügen über Microsoft zu verbreiten? Ich verdiene keinen Cent an Linux - Du musst mir natürlich nicht glauben, ich könnte bei einer Linux Distribution arbeiten... aber wie gesagt kann man Linux völlig gefahrlos mit Live-CDs wie Kubuntu, PCLinuxOS oder Mandriva One ausprobieren - also wenn Du mir nicht glaubst, bilde dir Dein eigenes Urteil!

Was hast Du zu verlieren?


Ich will diese Diskussion abschließen mit einem Zitat:
gandhi Zuerst ignorieren sie dich,
dann lachen sie über dich,
dann bekämpfen sie dich
und dann gewinnst du

Mahatma Gandhi